Zum Weltgesundheitstag: In Dich zurückkehren

Am Beginn des Lebens stehen die Hebammen, am Lebensende die Pflegenden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte 2020 zum Jahr der Pflegenden und Hebammen erklärt (seltsamerweise in dieser anderen Reihenfolge der Berufe). Hintergrund der Entscheidung ist, dass sich der Geburtstag von Florence Nightingale zum 200. Mal jährt, der Pionierin der Krankenpflege.

Heute, am 7. April 2020, ist außerdem Weltgesundheitstag. In seiner Erklärung zum heutigen Tag dankt der UN-Generalsekretär Antonio Guterres beiden Berufen für ihre Arbeit und nennt die Zeiten, in denen wir leben, traumatisch.

Trauma heißt immer, dass ein Individuum einen Teil seines Selbst abspaltet, um trotz eines erlittenen Schicksalsschlags weiterzuleben zu können. In Sachen Corona hieße das, dass Menschen weltweit aufgrund des Erregers und seiner Folgen jede Menge Selbst abspalten und so weitere Teile ihrer Lebensenergie verlieren. Weitere, weil Menschen im Laufe ihres Lebens aufgrund dessen, was ihnen passiert, ohnehin fortwährend Selbst abspalten.

Das Abspalten hinterlässt innere Löcher, die Menschen normalerweise mit Geld, Macht und Einfluss, mit Engagement und Aufopferung oder mit Substanzen aller Art versuchen aufzufüllen. Sie versuchen auch, sich mit der Energie anderer Menschen aufzufüllen. Denn die fühlt sich am ehesten wie die eigene an.

Jetzt, in Zeiten von Corona, funktioniert die gewohnte Auffüllerei nicht so gut. Home-Office, geschlossene Geschäfte und Restaurants machen es zum Beispiel unmöglich, sich wie gewohnt durch Arbeit, Shoppen oder Essen gehen energetisch aufzupeppen. Zu anderen Menschen sollen wir mindestens 1,5 m Abstand halten und können darum auch im Miteinander mit anderen sehr schlecht auftanken. Dazu kommen weitere Abspaltungen durch die insgesamt traumatisierende Zeit.

Corona stellt uns darum vor eine große Herausforderung: Einerseits sind wir in Sachen Energieversorgung mehr und mehr auf uns selbst gestellt. Andererseits werden neue innere Löcher geschaffen. Wo soll das hinführen?

Mein Vorschlag: Zu uns selbst.

Auf dem Weg zurück zum ganzen Selbst füllt man sich mit dem auf, was ursächlich in einen reingehört, nämlich das abgespaltene Selbst. Das kehrt einfach wieder in uns zurück, weil wir es mit den passenden Worten rufen.

Apocaluther und Taboe (siehe oben) zeigen, wie das Zurückholen grundsätzlich funktioniert. Hier nun zum Weltgesundheitstag ein konkreter Satz, mit dem verlorenes Selbst zurückgeholt werden kann:

Hiermit fülle ich das, was sich in mir gerade so leer anfühlt, meinen Kummer und mein Sehnen, mit mir selbst und Liebe auf. Und ich gebe alles frei und in Frieden, was mich daran hindert, mich damit aufzufüllen. Das ist sicher für mich, und alle freuen sich, danke.

Du kannst das auch für andere Menschen sagen:
Ich bitte darum, dass alle, die sich jetzt einsam fühlen, mehr und mehr mit sich selbst und Liebe erfüllt werden. Und dass sie alles frei und in Frieden geben, was sie daran hindert, sich damit aufzufüllen. Das ist sicher für alle, und alle freuen sich, danke.

Für eine bestimmte andere Person kannst Du sagen:
Ich bitte darum, dass (Vorname) sich mehr und mehr mit sich selbst und Liebe füllt. Und dass er/sie alles frei und in Frieden gibt, was ihn/sie daran hindert, sich damit aufzufüllen. Das ist sicher für ihn/sie, und alle freuen sich, danke.

Manchen Menschen fällt es leichter, zunächst allgemein für andere zu sprechen, anschließend für eine nahestehende Person und erst dann für sich selbst. Mach das, wie Du willst.

Verlorenes Selbst zurückzuholen, stabilisiert. Allerdings ist es ein Kontinuum, eine andere Haltung gegenüber Dir selbst und anderen. Du kannst die Sätze beliebig oft sprechen. Immer dann, wenn es sich so anfühlt, als sei es ratsam. Damit noch mal zurück an den Anfang dieses Textes, zu den Hebammen und Pflegenden.

Die Hebammen sind dabei, wenn Menschenkinder auf die Welt kommen. Die Babys erblicken zwar bereits mit geerbten Traumata das Licht der Welt. Doch ansonsten sind sie relativ unversehrt. Hebammen sehen immer diesen Morgen des Lebens. Anschließend schlägt das Dasein auf der Erde seine Breschen in die Seele schlägt und schafft die mit gewohnten Mitteln unfüllbar gähnenden Abgründe. Die Pflegenden begleiten Menschen am Ende ihres Lebens. Jetzt, in Zeiten von Corona, sind sie hilfsbedürftigen Menschen am nahsten, in viel Schutzkleidung verpackt.

Mit Blick auf beide, Hebammen und Pflegende: Seelenanteile zurückzuholen bedeutet, dem Morgen und dem Abend des Lebens mehr Achtung zu erweisen – und damit zugleich denen, die Menschen in ihren verletztlichsten Momenten begleiten.

Nicht zu wissen, was einem Neugeborenen im Leben alles begegnen wird, und nicht zu wissen, was einem Sterbendem alles im Leben begegnet ist, das eint diese beiden Berufe. Das ruft uns außerdem dazu auf, dazwischen achtsamer mit uns, den anderen und der Welt umzugehen. Damit Seelenanteile gar nicht erst verloren gehen. Oder, wenn doch, sie wieder zurückzuholen, um wieder stabiler zu werden.

Seelische Stabilität fördert die Resilienz, was wiederum der Gesundheit an sich ziemlich förderlich ist.

Einen wunderschönen Frühlingstag wünscht Euch

Eure Ulriqe

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