Vergiss Narziss

Pflege Balance, ganz

Wie soll man mit Narzissten umgehen? Woran erkennt man Blender? Politiker A, B, C – sind doch alles Narzissten! Das Thema Narzissmus ist gefühlt allgegenwärtig, angeblich leben wir in einer narzisstischen Gesellschaft (so der Titel eines ehemaligen „Spiegel-Bestsellers“). Der Begriff polarisiert, und das, was er beschreibt, ist tatsächlich der Welt Kernproblem. Aber es gibt überhaupt keine Narzissten. Anregung zu neuer Begrifflichkeit.

Drei relevante Tatsachen

Basiswissen zum Thema Narzissmus ist im Internet genügend vorhanden und für alle einsehbar. Dort ist nachzulesen, wie der Begriff entstand, wie er sich veränderte und was die moderne Psychologie dazu meint. Gesellschaftlich relevant scheinen mir drei Tatsachen:

1. Der Begriff Narzissmus wird gerne pauschal verwendet, um einen anderen Menschen wegen seiner Eigenarten – v. a. angebliche Selbstverliebtheit – zu diskreditieren und damit zugleich festzustellen, dass man selbst ja nicht so sei wie „der“ oder „die da“.

2. Sogenannte „echte“ Narzissten finden es gut, als solche bezeichnet zu werden, wie neuere Forschungen belegen. Darum sehen sie auch keinen Bedarf, in irgendeiner Weise therapeutisch für sich aktiv zu werden. Das Problem haben ihrer Meinung nach „die anderen“, was die Auseinandersetzung mit sogenannten Narzissten erschwert oder auch unmöglich macht.

3. Dass es unterschiedliche Ausprägungen des sogenannten Narzissmus gibt, ist eher unbekannt: Als „positive Narzissten“ werden die sogenannten mehr oder weniger Selbstverliebten bezeichnet, als „negative Narzissten“ gelten die mehr oder weniger Nicht-Selbstverliebten, die sich für andere aufopfern.

„Gesunder“ Narzissmus?

Verstärkt ist nun im Internet von Selbstliebe die Rede, von „gesundem Egoismus“ und „gesundem Narzissmus“. Doch eine einheitliche Definition darüber, was gesunder Narzissmus sei, existiert nicht. Wozu auch, der Begriff ist irreführend.

Ohne Zufuhr gefährlich

Denn ein positiver Narzisst liebt sich überhaupt nicht. Wäre das anders, sähe es auf der Welt viel besser aus. Denn eine solche Person könnte ja auch den Nächsten viel einfacher lieben wie sich selbst. Doch gerade bei den besonders heftigen „Narzissten“ ist genau das Gegenteil der Fall. Zwar sind sie in der Lage, ihrer Anhängerschaft – Partnern, Mitarbeitern, Wählern – zu suggerieren, sie, die Narzissten, hätten der Liebe viel. Doch eigentlich sind sie schwarze Löcher, angewiesen auf die Zuneigung anderer bzw. auf die Zufuhr aller möglichen Dinge, die allerdings dieses gähnende Loch nie füllen werden. Dazu kommt: Hören diese Zuneigung oder Zufuhr auf, wird es gefährlich – für die anderen.

Der andere: Zu viel für andere

Der negative Narzisst liebt sich, wie gesagt, ebenfalls nicht. Kurioserweise sind jedoch diese Menschen sehr gut darin, andere zu lieben. Sie opfern sich auf, machen und tun – und sind im Grunde genommen genau die, die Zuneigung und Zufuhr für die positiven Narzissten zur Verfügung stellen. In der Hoffnung, von diesen gemocht, gefördert, geliebt zu werden. Die Kraft dafür holen sie aus sich selbst und zumeist aus dem letzten Rest heraus, der ihnen aufgrund von Selbst-Abspaltung noch geblieben ist.

Beide bedingen sich

Und hier ist der kasus knacktus: Positive Narzissten verwenden alles, was sie bekommen können, dafür, ihren inneren Essenz-Rest stabil und vor allem betäubt zu halten. Denn zu schmerzhaft ist das, was sie erlebt haben und was sie Teile ihres Selbst abspalten ließ. Zu tief ist die Wunde, das schwarze Loch. Heftige negative sogenannte Narzissten sind ideale Gegenüber für sogenannte positive Narzissten, denn die negativen geben klaglos ihr letztes Hemd. Beide halten sich gegenseitig aufrecht, ob in Beziehungen, in Unternehmen oder allgemein in der Gesellschaft.

Da ist nichts?

Jeder Mensch bastelt sich also unbewusst eine individuelle Strategie zusammen, mit den eigenen inneren Fehlstellen umzugehen: Die einen merken, dass es für sie einfacher ist, dicht zu machen. Die anderen entscheiden sich dafür, offen zu bleiben. Die offenen, negativen sogenannten Narzissten sind es auch, die sich (zum Glück) meist rechtzeitig Hilfe holen, um etwas zu verändern – während die „positiven Narzissten“ behaupten, mit ihnen selbst sei alles in Ordnung.

Gesucht wird, was nicht da ist

Alle suchen bei all dem jedoch nur nach einer einzigen Sache, die keine Sache ist, nämlich: nach der Liebe.

Alle meinen die bedingungslose Liebe, dieses einfach Sein-Dürfen, einfach genug sein, einfach geliebt werden dafür, dass man existiert, dass man „da ist“.

Doch alle suchen die Liebe dort, wo es nur die bedingte Liebe gibt: bei anderen Menschen.
Oder dort, wo es gar keine Liebe gibt: in Dingen, Substanzen, Tätigkeiten.
Oder dort, wo die Liebe versprochen wird: im Himmel – nur leider ist man so weit weg davon.

Reformbedürftig

Der 31. Oktober ist Reformationstag. Der Begriff Reformation hat sich ins kollektive Gedächtnis als „religiös“ bzw. „kirchlich“ eingeprägt. Dabei geht es bei dieser Reformation aber um etwas gesellschaftlich Relevantes, nämlich u. a.: dass alle Menschen bedingungslos geliebt sind, welche Weltanschauung auch immer sie vertreten.

Diese bedingungslose Geliebtheit ist ein Geburtsrecht und damit verbunden, zu 100 % heil und ganz sein zu „dürfen“.   

Versehrte Kreatur

Was die Menschen jedoch auf Erden erleben, lässt sie dieser Essenz nach und nach verlustig gehen. Denn sie spalten aufgrund belastender Erfahrungen Essenz ihres Selbst ab – ein unbewusster und unsichtbarer energetischer Selbstschutz.

Bildgebende Verfahren dafür wurden noch nicht erfunden. Nur die Kunst ist in der Lage, diese Seelenlagen darzustellen. Darüber hinaus sind die Menschen in der Lage, diese Fehlstellen zu fühlen – mit den beschriebenen Konsequenzen, die es erfordert, trotz der Essenz-Verluste weiterzuleben. Entweder als energetisch versehrte Kreatur, die wie ein Junkie versucht, das Fehlende auszugleichen. Oder wie ein überlaufendes Liebes-Fass, das bereit ist, auch noch mit der letzten verbleibenden eigenen Essenz andere aufzufüllen.

Weltliches Auffüllen unmöglich

Narzissten gibt es also gar nicht. Sondern nur innerlich versehrte Geschöpfe, die alle das Geburtsrecht haben, heil und ganz zu sein. Darum ist ihr Versuch, sich aufzufüllen bzw. andere aufzufüllen und daraus das Gefühl des Ganz-Seins zurückzuerlangen, verständlich. Nur leider unmöglich mit dem, was auf der Welt vorhanden ist. Denn die Kraft, die Energie, die Liebe, aus der ihre eigene Essenz sich ureigentlich schöpft, kommt nicht aus dem waagerechten Erleben auf Erden. Sondern ausschließlich aus der Vertikalen, aus dem Eins.

Feste Weltanschauungen

Tragischerweise beinhalten nun verschiedenste Weltanschauungen die Überzeugung, dass die Kreatur von dieser bedingungslosen Liebe des Eins getrennt sei oder irgendetwas Besonderes tun müsse, um sich dieser vertikalen Liebe würdig zu erweisen. Die Anschauungen verankern dieses Denken von Klein auf in den Köpfen, auf dass dieses Fehlwissen erhalten bliebe.

Die Reformation besagt hingegen, dass der Menschen ungetrennt ist vom Eins und von diesem bedingungslos geliebt, Punkt. Das ist die zweifellose Erkenntnis einer Tatsache – kein Glauben.

Frieden auf Erden ist realisierbar

Das hätte jedoch eine Folge haben müssen, nämlich: Dass die Menschen auch erfahren, wie man wieder ganz werden kann, und was dadurch möglich wird, darunter die gemeinsame Realisierung des zugesagten Friedens auf Erden. Dieser unverbrüchliche Frieden wird möglich, wenn alle ihren Nächsten lieben wie sich selbst, und bitte: alle zu 100 %. Dafür müssen also alle zu 100 % ganz sein. Denn sonst funktioniert das nicht.

Sich bewusst werden

Dieses Ganzwerden ist nichts, was jemand verbieten könnte. Sondern jede und jeder kann das für sich tun. Weil nämlich im Sich-bewusst-werden des bedingungslosen Geliebtseins nach und nach alle verlorene Essenz des Selbst wieder zurückkommen, mehr noch: zurückgeholt werden kann. Das ist so. Und alle hindernden Glaubenssätze, die das unmöglich machen würden, können in diesem gleichen Bewusstsein aufgehoben werden.

Etwas unternehmen

Genau das ist die Wirkweise der Intrasonanz, mit der sich – zurück zum Thema „Narzissmus“ – die sogenannten „negativen Narzissten“, die Aufopferer, erfahrungsgemäß erheblich leichter tun. Denn sie können etwas unternehmen, sie möchten dies auch, und zwar vor allem, weil sie merken, dass sie damit etwas für andere tun können. Die sogenannten positiven Narzissten sehen bei sich hingegen gar keinen Bedarf. Oft wähnen sich ohnehin ja bereits ganz, denn das gehört zu ihrem System. Außerdem werden sie von den Aufopfernden erstmal weiter versorgt, und wenn diese das nicht mehr machen, werden andere gesucht, die dazu bereit sind.

Weniger Gift

Dann jedoch, wenn die „Geber“ erstmal ziemlich gut bei sich angekommen sind, werden sie merken, wie unabhängig sie von den „positiven Narzissten“ werden. Wie weniger toxisch ihre Beziehung wird, so sie mit einem „positiven Narzissten“ leben. Einfach, weil sie nicht mehr bereit sind, das schwarze Loch aufzufüllen. Sondern weil sie beginnen, sich selbst mehr zu lieben und darum auch ihr Gegenüber eher sein lassen können, wie es ist – was die Situation entspannt.

Nein, mehr, mehr!

Was macht nun ein „positiver Narzisst“, der nicht mehr genügend von außen aufgefüllt wird? Er wird versuchen, dies unter allen Umständen durch etwas anderes oder noch mehr „weiter! aufstehen! kämpfen!“ zu ersetzen. Er wird die „schnelle Nummer“ suchen, damit es ihm wieder besser geht. Er wird eventuell auch spirituell verbrämte Ansagen gut finden, die ihn auffordern, sein „Ego“ abzulegen, zu zerstören etc., in dem vermeintlich seine Schmerzen sitzen würden. Er wird Überzeugungen anhängen, nach denen sowieso alles eins sei, weil ihm das Nahrung verspricht. Vielleicht steigt er auch ein in die Schar Erweckter, die angeblich besser sind als andere. Vermutlich wird er also das Grandios-sein-Wollen noch lange beibehalten wollen.

Masken fallen

Es könnte aber auch sein, dass die damit verbundene Maskerade eines Tages einfach abfällt. Weil das Umfeld – mehr und mehr ganz werdende Menschen und eine entsprechende Gesellschaft – für die nötige Balance die grandiosen Menschen nicht mehr braucht. Dann werden auch die Nehmer anfangen, denn doch ganzwerden zu wollen. Wie gut, dass das im stillen Kämmerlein möglich ist.

Mehr oder weniger Kernproblem

Die präpandemischen Systeme gehören auf den Prüfstand gestellt. Dazu gehört auch das System psychisch irreführender und darum wenig hilfreicher Begrifflichkeiten wie Narzissmus. Denn eigentlich gibt es nur Menschen, die aufgrund innerer Versehrtein mehr geben – und Menschen, die aufgrund innerer Versehrtheit mehr nehmen – der Welt Kernproblem – und die oft jeweils das Gegenteil von ihrem Gegenüber behaupten.

Jeder kann das

Das in die Mitte zu bringen, für sich selbst und damit für die Welt – „Sei du die Veränderung, die du dir wünschst für die Welt“ (M. K. Gandhi) – also, dass Menschen beginnen, wieder ganz zu werden, das ist Geburtsrecht jeder Kreatur, und jede und jeder kann diesen Weg für sich selbst beschreiten. Wie Luther sagte: Jeder Mensch ist ein Priester, ein Theologe. Genau darum.

Fehlstellen sicht- und fühlbar

Könnte sein, dass Physical und Social Distancing einigen Beitrag zu leisten imstande sind, dass Menschen beginnen, wieder ganz zu werden. Denn die Distanz wirft die Menschen auf sich selbst zurück bzw. pfercht sie zu Hause ungewohnt eng zusammen. Das macht ihre inneren Fehlstellen sicht- und fühlbar. Leider auch mit teilweise gesellschaftlich nicht so schönen Auswirkungen.

Kreatur ganz beten

Wie gut, dass Intrasonanz auch per Fürbitte wirkt: Die Kreatur ganz beten. Doch bitte nur nach und nach Belastendes freigeben und Essenz zurückholen. Denn die Systeme der Welt basierten lange auf den Bedürfnissen der innerlich zerstörten Kreatur. Ganz werdende Menschen stören (sic!) erstmal – und sollten es auch nicht an die große Glocke hängen, dass sie sich auf diesen Weg gemacht haben. Ganz werdende Menschen sind außerdem nicht besser als andere. Denn alle können maximal 100 % ganz werden.

Geben, nehmen, Balance

Darum: Vergiss Narziss. Sag, was Sache ist: „Geber“ und „Nehmer“. Das wäre auch ein Beitrag für die Entwicklung weg von der Defizit- hin zur Potenzialorientierung.

Starke Nehmer könnten mal bisschen weniger nehmen und dafür innerlich ganzer werden. Aufopfernde Geber könnten mal bisschen weniger geben, weil das auch reicht – und dafür ebenfalls innerlich bisschen ganzer werden. Denn Geben und Nehmen ist ja nicht per se falsch, die Dosis macht das Gift.

Abgeben, zurückholen, heimkommen

In einer Welt, die durch ihre gewohnten Systeme Macht und Ohnmacht, Gier und Not aufrechterhält und damit Geben und Nehmen weiter in der Disbalance hält, werden es Themen wie Frieden, Gerechtgkeit, Nachhaltigkeit etc. weiter schwer haben. Balance in sich selbst zu pflegen, ganz und darum in der Gesellschaft, würde alles ändern. Darum: Belastung raus, bedingungslose Liebe rein. In die Vertikale abgeben, was belastet, und im Bewusstsein des bedingungslosen Geliebtseins hineinnehmen, was man von sich verloren hatte. Heimkommen zu sich selbst.

Versuchen, bedingungslos zu lieben

Zu verstehen, was in Menschen fehlt. Sie gleichwohl sein zu lassen, wie sie sind. Die Nehmer nicht mehr aufzufüllen und die Geber inspirieren, sich ums eigene Ganzwerden zu kümmern. Überhaupt versuchen, sich selbst und andere bedingungslos zu lieben, weil auch das verlorene Seelenanteile zurückbringt. So geht man mit Gebern und Nehmern um.

Selbst ausprobieren

All dies ist u .a. der Inhalt von Apocaluther in anderen Worten. Wie das konkret funktioniert mit der Intrasonanz, kann jeder für sich selbst ausprobieren – Anleitungen sind vorhanden. Eine sehr individuelle Herangehensweise biete ich mit der Sprachbarke an.

Damit wünsche ich einen vergnüglichen Sonntag, und wer noch mehr zum Thema erfahren möchte, kann hier weiterlesen.

Herzliche Grüße

Ulrike

PS: Hier noch das Konzentrat des im obigen Text Ausgebreiteten – ein Lied aus Apocaluther

Wenn ich dich liebe, wie du mich, wie fühlt sich das wohl an,
wie geht das und wie schafft man das? Was ist, wenn ich’s nicht kann?

Manch einer liebt sich viel zu viel und gönnt nur sich das Glück.
Für andre bleibt dann übrig nur ein klitzekleines Stück.

Manch einer fühlt sich arm und klein und einfach ungeliebt
und hofft, dass irgendwann ein Mensch ihm etwas Liebe gibt.

Fast niemand fühlt sich einfach ganz und heil und unversehrt.
Fast jeder aber wünscht sich das, das ist auch nicht verkehrt.

Wenn ich dich liebe, wie du mich, wie fühlt sich das wohl an,
wie geht das und wie schafft man das? Was ist, wenn ich’s nicht kann?

Wenn ich’s nicht kann, warum denn nicht, wer hat’s mir beigebracht?
Ich mach doch nur, was alle tun, das hat so große Macht.

Wenn ich’s nicht kann, wie lern ich das, schaff ich das überhaupt?
Dass das auf Erden möglich ist, das wird doch nicht geglaubt.

Und doch ist diese Liebe pur, für uns zum Greifen nah,
Denn Gott ist ja die Liebe nur und ist für alle da.

Wenn ich dich liebe, wie du mich, wie fühlt sich das wohl an,
wie geht das und wie schafft man das? Was ist, wenn’s JEDER KANN?

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