Unterwegs mit Wirkkraft

Nervzeit Corona. Draußen ist es sehr ruhig. Dafür rumort es in uns selbst umso mehr. Für Menschen, die sich persönlich weiterentwickeln möchten, ist das ideal. Denn in dieser Atmosphäre lassen sich auf der Reise hin zu energetischer Souveränität viel weitere Strecken zurückzulegen als sonst. Kleine Anregung und Wegzehrung.

Homeoffice-Gefühl

„Wie in einem Kokon“, antwortete eine neue Klientin am Telefon. Der erste Lockdown wegen Corona hatte gerade erst begonnen, und ich hatte sie gefragt, wie sie sich im Homeoffice fühle. Was denn in einem Kokon passiere?, wollte ich dann von ihr wissen. Wie aus der Pistole geschossen kam die Antwort: „Absterben!“

Gap zwischen Rolle und Selbstbild

Diese Antwort erstaunte mich, und so fragte ich, was in einem Kokon denn noch geschehen könnte. Es dauerte etwas, bis sehr zaghaft zu hören war: „Vielleicht ein Schmetterling werden?“ Nun war die promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin und Führungskraft in einem großen Unternehmen ihrerseits erstaunt – von sich selbst. Aber irgendwie sei das auch typisch für sie, so über sich zu denken, meinte sie dann. Schon waren wir mittendrin in Sprachbarkenarbeit, hier mit dem Ziel, den Gap zwischen der Rolle der Klientin im Unternehmen und ihrem Selbstbild kleiner zu machen bzw. möglichst zu schließen.

Themen kommen hoch

Der Lockdown hat sich als eine ideale Zeit für persönliche Entwicklung herausgestellt. Denn Menschen, die nichts anderes gewohnt waren, als sich jederzeit hier, da oder dort in kleinen oder großen Gruppen mit anderen zu treffen, hatten bzw. haben plötzlich sehr mit sich zu tun. Das bringt Themen in ihnen hoch. Familien hocken enger zusammen. Das bringt Themen zwischen den Familienmitgliedern hoch. Oder sie sitzen vorm Bildschirm und müssen stundenlang auf digitaler Ebene konferieren. Das bringt Themen in Bereichen hoch, von denen das Alltagsbewusstsein noch gar nicht wusste, dass es diese Bereiche überhaupt gibt.

Energiehunger wird größer

Der gewohnte Problemlösungsversuch „ich geh mal woanders hin“ funktioniert nicht mehr. Ablenkungen durch Restaurantbesuche, Kulturveranstaltungen, Feiern und Feste sind nicht möglich. Wie lange noch, wie oft noch, wird es je wieder so, wie es mal war, niemand hat darauf eine Antwort. Doch eins scheint mir sicher: Die Coronazeit samt Energiehunger verursachenden Lockdowns ist eine ideale Gelegenheit für persönliche Entwicklung. Vor allem, was energetische Souveränität anbelangt.

Den eigenen Raum betreten

Energetische Souveränität bedeutet, im eigenen Raum zu Hause und dort auch so weit wie möglich seelisch bzw. emotional stabil daheim zu sein. Damit dies überhaupt möglich ist, sind bestimmte Arbeiten nötig, wie Räumen und Sortieren, Wegwerfen und Zurückholen. Auch überhaupt erstmal den eigenen Raum zu betreten, kann für manchen dazu gehören. Ebenso wie die Aufgabe, andere aus dem Raum hinauszubefördern – so es nicht eigene Kinder unter 23 Jahren sind. Denn die ganz Kleinen haben ziemlich vollständig, die Großen noch mit einem Zipfel das Recht, sich in unserem Raum aufzuhalten.

Alles haben wollen

Das Gegenteil von energetischer Stabilität ist das, was wir alle kennen: Leben mit den Strategien, die wir gelernt und uns angeeignet haben, die wir täglich weiterentwickeln und die wir vor allem gerne möglichst einfach um schnellstmöglich wirksame neue Tricks und Kniffe ergänzen wollen, immer mit dem Ziel, endlich Glück, Erfolg, Friede, Ruhe, Liebe etc. zu haben. All dies bitte stabil (sic!).

Überstabil bis überlabil

Doch mit den bisherigen gewohnten, von Generation zu Generation weitergegebenen, angeblich unabdingbaren sowie angelernten Strategien lässt sich energetische bzw. seelische Stabilität nicht erreichen. Vielmehr sind Vor-Corona-Menschen strategisch mit sich und anderen ackernd entweder energetisch überstabil – was äußerlich wie unsichtbarer Beton wirkt – oder überlabil. Wobei es natürlich jede Menge Abstufungen der genannten Extreme gibt.

Neben sich stehen und dort bleiben

Nun hat es einen großen Vorteil, energetisch flexibel, vielmehr: volatil zu sein. Denn nur so können wir emotional belastende Situationen überstehen, die unser System auf vielfältige Art und Weise durcheinanderwirbeln. „Da stand ich neben mir“ ist ein Ausdruck für das, was unter anderem passiert und Dissoziation genannt wird, also Abspaltung. Die Engländer nennen diesen Sachverhalt sogar „it took a piece of me“. Das Problem ist, dass diese Stücke, das Abgespaltene, dann fortbleiben. Viel zu gefährlich ist es ja bei uns.

Immer größeres Durcheinander

Glücklicherweise sind wir in der Lage, trotz der Abspaltungen weiterzuleben. Wir kompensieren sie einfach. Dafür kreieren wir die genannten Strategien, die wir immer weiter verfeinern (müssen), weil die Abspalterei durch Erlebnisse aller Art weitergeht, der eigene Raum immer leerer wird und durch die Kompensationen ein immer größeres Durcheinander entsteht – so man sich überhaupt noch im eigenen Raum befindet, also nicht bereits das Weite von sich selbst heraus gesucht hat und im sprichwörtlichen Wald in einer dunklen Höhle haust.

Verlorenes meldet sich

Die Kompensationen, das Leben „außer sich“ und das Füllen schwarzer Löcher kosten viel Kraft und haben einen hohen Energiebedarf. Eine wichtige Quelle für Kompensationsenergie sind andere Menschen. Stehen uns diese nicht so zur Verfügung, wie wir das gewohnt sind, meldet sich die Summe des Verlorenen umso mehr. Das kann sich dann zum Beispiel so anfühlen, als säße man in einem Kokon. Sich in diesem nun zu entwickeln, aufzuräumen, Belastungen in Frieden zu bringen und verlorene Anteile zurückzuholen bedeutet, sich auf den Weg in energetische Souveränität und damit seelische Stabilität zu machen.

Eigens Haben und Sein

Natürlich braucht es nicht unbedingt Corona-Lockdowns, damit sich das Gefühl von „was passiert da in mir, das soll aufhören“ zeigt. Doch das Bei-sich-sein-Müssen, ohne die gewohnten Ablenkungs- und Auffüllmöglichkeiten, bringt das, was kompensiert werden muss, und das, was vom Selbst noch übrig ist, in Bewegung. Denn eigentlich möchten wir in uns selbst ganz und zu Hause sein. Unser Unbewusstsein, unsere Seele kennen auch den Weg, und der ist ein Heimkommen in das, was wir eigentlich sind und was ich unsere Wunderbarkeit nenne: Unser eigenes Haben und Sein. Über das wir uns nämlich wundern, schon wenn wir uns nur auf den Weg dorthin machen.

Heil und ganz gemeint

Im Zu-uns-kommen meldet sich auch ein Kanal wieder stärker, der uns bei dem Ansinnen, ganz zu werden, unterstützt und nährt: Die Verbindung nach oben, zu der wie auch immer genannten Instanz, die uns bedingungslos liebt. Von dort bis zum Erdboden, so könnte man sich vorstellen, und so zeige ich es auch ungefähr in meinen Figuren, reicht unser ganz persönlicher Raum, in dem wir heil und ganz gemeint sind (Geburtsrecht) und in dem wir unsere energetische Souveränität gleich einem Schmetterling entwickeln können.

Neue Frage

Als die anfangs genannte Klientin ihrem Vorgesetzten ganz anders als vorher begegnen konnte, verließ dieser das Unternehmen. Getreu dem Motto „Kaum hast du eine Antwort, stellt das Leben dir eine neue Frage“ beleuchtet das Miteinander mit seinem Nachfolger nun weitere, in Frieden zu bringende Bereiche im Raum dieser Frau, die diese mit der diesbezüglich bereits gesammelten Erfahrung beherzt betritt. 

Weg mit Wirkkraft

Die Corona-Pandemie und insbesondere die Lockdowns eröffnen uns durch den Wegfall äußerer Ablenkungen und Kompensationsmöglichkeiten nie dagewesene Zeitfenster für eine bewusste, sehr gezielte Arbeit an und für uns selbst, die uns große Strecken weiter heim zu uns selbst bringen kann. Ein Hauruck-Verfahren mit schnellen Tipps und Tricks, pfiffig-überlagernden XL-Strategien und disziplinarisch betoniert haltenden, immer gleichen Übungen ist das natürlich nicht. Sondern ein Weg, mit gebetenen Gefährten, ungebetenen Begegnungen und einer besonderen Wirkkraft von oben.

Echte Balance

Das Leben mit aus der Waagerechten auf uns einwirkenden Belastungen und Herausforderungen wird also mit und ohne Corona unsere energetische Volatilität weiter fordern. All dem können wir mit wachsender Stabilität, zu der auch eine echte Balance von Kopf und Herz gehört, immer souveräner begegnen. Darum lohnt es sich, jetzt anzufangen.

Noch läuft der Lockdown. Nutzen wir ihn für ein Openup.

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